Germanistische Barockforschung

Peter André Alt

Alt studierte von 1979 bis 1984 die Fächer Germanistik, Politikwissenschaft, Geschichte und Philosophie an der Freien Universität Berlin. Er promovierte dort 1984 bei Hans-Jürgen Schings zum Thema Ironie und Krise: ironisches Erzählen als Form ästhetischer Wahrnehmung in Thomas Manns „Der Zauberberg“ und Robert Musils „Der Mann ohne Eigenschaften“. Zwischen 1987 bis 1992 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl von Hans-Jürgen Schings, wo er sich 1993 auch habilitierte. Die Habilitationsschrift erschien unter dem Titel Begriffsbilder. Studien zur literarischen Allegorie zwischen Opitz und Schiller.

Nach einem Habilitationsstipendium wurde er 1995 ordentlicher Professor für Neuere Deutsche Literatur an der Ruhr-Universität Bochum, bis er 2002 auf einen Lehrstuhl an der Universität Würzburg wechselte. Seit 2005 ist er Lehrstuhlinhaber für Neuere deutsche Literaturwissenschaft an der Freien Universität Berlin. Ab April 2014 war Alt Präsident der Freien Universität Berlin, bevor er 2018 das Amt des Präsidenten der Hochschulrektorenkonferenz antrat.

Bedeutung für die Barockliteratur

In seiner Habilitationsschrift widmet sich Alt der Transformation allegorischen Schreibens vom Barock bis zur Klassik. Anhand von Analysen zahlreicher Primärtexte aus der Frühen Neuzeit rekonstruiert Alt die ästhetischen, poetologischen und wissensgeschichtlichen Ordnungssysteme, auf die allegorisches Schreiben grundlegend bezogen ist. Ausgangspunkt sind hierbei die Ergebnisse der älteren Emblematikforschung (Schöne, Sulzer), wonach allegorisches Schreiben konstitutives Element barocker Dichtung ist, das an den Deutungshintergrund des christlichen Mundus symbolicus gebunden ist. Alt geht allerdings nicht von einer starren Epochengrenze aus und weist in einem Epochenvergleich ein Weiterleben allegorischen Schreibens bis ins späte 18. Jahrhundert nach – so etwa in der Fabeldichtung der Aufklärung. Die barocken allegorischen Stilelemente blieben weitgehend erhalten, erführen allerdings einen Funktionswandel und stünden seit Gottsched in der Kritik, ohne aber grundlegend an Bedeutung zu verlieren. Der Allegoriebegriff sei daher weniger normativ, denn geschichtlich zu fassen und die Formgeschichte der Allegorie sei in erster Linie als Funktionsgeschichte aufzuschlüsseln.

Neben den „Begriffsbildern“ legte Alt auch Monographien zu den Trauerspielen des 17. Jahrhunderts vor (v.a. Gryphius/Lohenstein). Dabei stehen die Themen Geschlecht, Körper und Politik im Mittelpunkt (Der Tod der Königin; Von der Schönheit zerbrechender Ordnungen).

Literatur zum Barock

Begriffsbilder. Studien zur literarischen Allegorie zwischen Opitz und Schiller (= Studien zur Deutschen Literatur, Bd. 131). Niemeyer, Tübingen 1995; Der Tod der Königin. Frauenopfer und politische Souveränität im Trauerspiel des 17. Jahrhunderts. De Gruyter, Berlin 2004 (Quellen und Forschungen zur Literatur- und Kulturgeschichte, Bd. 30); Von der Schönheit zerbrechender Ordnungen. Körper, Politik und Geschlecht in der Literatur des 17. Jahrhunderts. Wallstein, Göttingen 2007.

Rezensionen zu den „Begriffsbildern“

Rez.: Wolfgang Braungart in: Germanistik 36 (1995), H. 3/4, S. 30; Ludger Rehm in: Referatedienst zur Literaturwissenschaft 27 (1995), H. 4, S. 551-556; Gerd Hillen in: Monatshefte für deutschen Unterricht 89 (1997), H. 2, S. 228-230; Peter Skrine in: Arbitrium 14 (1997), H. 3, S. 323-327.