Germanistische Barockforschung

Richard Alewyn

Als Sohn eines Industriellen studierte Alewyn in Frankfurt, Marburg, München und Heidelberg. Zu seinen akademischen Lehrern gehörten Ernst Robert Curtius, Heinrich Wölfflin, Friedrich Gundolf und Karl Jaspers. Er promovierte 1925 in Heidelberg bei Max Waldberg zum Thema „Vorbarocker Klassizismus und griechische Tragödie“. Nach seiner Habilitation in Berlin wurde er außerordentlicher Professor für Neuere deutsche Literatur in Heidelberg. Seine Antrittsvorlesung hielt er kurz vor der Machtergreifung Hitlers am 17. Januar 1933.

Aufgrund des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums wurde Alewyn seiner jüdischen Abstammung wegen im Juni 1933 entlassen, worauf er nach Paris emigrierte, wo er für kurze Zeit eine Gastprofessur für deutsche Literatur innehatte. Nach Stationen in Österreich und der Schweiz wanderte er schließlich 1939 in die USA aus. In New York war er zunächst als außerordentlicher Professor am Queens College tätig, im Jahr 1948 erhielt er dort eine ordentliche Professur.

Nach dem Krieg kehrte er nach Deutschland zurück und wurde 1949 als ordentlicher Professor für deutsche Philologie an die Universität zu Köln berufen. Von 1955 bis 1959 war er Professor für deutsche Philologie in Berlin und schließlich von 1959 bis zu seiner Emeritierung 1967 in Bonn.

Bedeutung für die Barockforschung

Für die Barockforschung wegweisend war Alewyns Studie zu Johann Beer aus dem Jahr 1932. Er war der Erste, der sich mit diesem barocken Schriftsteller literaturhistorisch befasste. Alewyn kommt zum Schluss, dass sich Beer vom Mundus symbolicus der barocken Weltsicht weitgehend gelöst habe. Er zeichne ein realistisches Bild der Wirklichkeit in seinen Romanen.

Sekundärliteratur zur Biographie

Wikipedia; Regina Weber: Alewyn, Richard, in: Christoph König (Hrsg.), unter Mitarbeit von Birgit Wägenbaur u. a.: Internationales Germanistenlexikon 1800–1950. Band 1, De Gruyter, Berlin/New York 2003, S. 18/19.

Werke zur Barockliteratur

Johann Beer. Studien zum Roman des 17. Jahrhunderts, Leipzig 1932. – Zweite, verbesserte Auflage. Aus dem Nachlass hg. von Klaus Garber und Michael Schroeter (= Beihefte zum Euphorion. Heft 64). Winter, Heidelberg 2012; als Hrsg. mit Günther Müller: Gestaltprobleme der Dichtung. Günther Müller zu seinem 65. Geburtstag am 15. Dezember 1955. Bonn 1957; Das große Welttheater. Die Epoche der höfischen Feste in Dokument und Deutung. Zus. mit Karl Sälzle, Hamburg 1959.